Angebliche „Nachteile“ von Open Source ERP Software

Beim Stöbern durch das Internet bin ich auf ein paar Beiträge gestoßen, die auf die Nachteile von Open Source ERP hinweisen.

Das ist eine gute Gelegenheit, diese Hinweise zu reflektieren. Im Ergebnis teile ich die Einschätzungen nicht. Natürlich ist die Beurteilung immer sehr subjektiv, abhängig von eigenen Erfahrungen und Prioritäten.

Als Nachteile findet man mehrmals:

  1. Hohe Komplexität von ERP – Systemen
  2. hoher Anpassungsbedarf, hohe Anpassungskosten
  3. Erfolgsmodell Open Source klappt nicht bei ERP Software
  4. geringe Verbreitung von Open Source ERP
  5. trotz fehlender Lizenzkosten keine billige Lösung
  6. Open Source als Verkaufsgag

Nur weil ein Produkt open source ist, heißt das noch lange nicht, dass es nicht die notwendigen Funktionen hat.

Ohne eine ausreichende Prüfung der Funktionen kann eine Softwareimplementierung sowieso nicht stattfinden.

Und wir empfehlen sogar einen eigenen Prototyping – Termin zu den wichtigsten Prozessen im Unternehmen.

Ob die Mächtigkeit, hier im speziellen von Odoo, ausreicht, kann auch vorab in einer Odoo – Demo und mit einer Testversion gecheckt werden.

Die Erfahrung zeigt, dass Anpassungen im Rahmen einer Implementierung immer die Gefahr in sich tragen, die Kosten zu sprengen, egal ob proprietäre Software oder open source.

Und tatsächlich ist bei Open Source die Versuchung noch größer, weil der Quellcode offen ist und somit veränderbar oder erweiterbar ist.

Hier ist einfach Disziplin gefragt, ein guter Projektleiter wird die Transparenz zwischen Kosten und Nutzen herstellen.

Was eigentlich ein Vorteil ist, soll nicht als Nachteil resultieren.

Bei Odoo können Erweiterungen sehr einfach und überschaubar abgebildet werden. Das Inheritance Prinzip von Addons ermöglicht eine Anpassung ohne Veränderung der ursprünglichen Module.

Linux, Wikipedia, LibreOffice etc. sind tatsächlich ein Erfolgsmodell.

Ich habe irgendwo gelesen, dass dieser Erfolg nur möglich war, weil dahinter wichtige Sponsoren steckten (z.B. Oracle förderte Linux, Google unterstützte Mozilla, etc.).

Das halte ich für abwegig. Ein Open Source Produkt ist dann erfolgreich, wenn es eine aktive Community dahinter hat und die Funktionalitäten gut abdeckt.

Eine geringe Verbreitung könnte darauf hindeuten, dass die laufende Weiterentwicklung nicht gesichert ist und Grundfunktionen nicht abgedeckt sind.

Odoo behauptet mehr als 5 Mio Anwender zu haben.

Gerade bei Open Source Produkten ist es wichtig, wie aktiv die Community dahinter ist. Und bei Odoo ist es die Odoo Community Association (OCA), die weltweit die Interessen und Ideen der Anwender betreut.

Die Lizenzkosten und die Wartungskosten sind nicht die gesamte Kostenwahrheit.

Zu einer Softwareimplementierung gehören natürlich die Kosten der Einführung, laufende Anpassungen, Training und eventuelle Hostingkosten.

die wirkliche Kostenwahrheit kann nur mit einer TCO – Kalkulation hergestellt werden, klar wird auch eine Open Source ERP Software nicht „billig“ sein.

Über einen Zeitraum von 5 Jahren ist dann ein guter Vergleich möglich.

die pure Open Source Lösung gibt es selten, die Anbieter haben meist eine Pro – Version, zu der dann laufende Lizenzkosten anfallen. Man könnte daher „open source“ nur als Schlagwort bezeichnen um Kunden zu gewinnen und dann lizenzpflichtige Addons und Zusatzleistungen zu verkaufen.

Bei Odoo ist es tatsächlich so, es gibt eine Community Edition und eine lizenzpflichtige Enterprise Edition.

Aber für mich ist das kein Verkaufsgag, sondern maximale Transparenz. Die Enterprise Edition baut auf der Community Edition auf und enthält weitere Features.

Ich vergleiche das mit einem Autokauf: Auch dort gibt es zu einem Modell eine Basisvariante, die auf jeden Fall funktioniert und sicher ist. Und zusätzlich eine höhere Ausstattungsvariante mit erweiterten Features.

Der Kunde entscheidet, welches Modell am besten zu ihm passt.